Nachhaltige Entwicklung im volkswirtschaftlichen Unterricht
Nachhaltige Entwicklungim volkswirtschaftlichen Unterricht

NEU: Die erste Schulbuchstudie zur Nachhaltigkeit in volkswirtschaft-lichen Lehrwerken.

 

 

 

„Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“

 

 

Rezensionen von Lehrwerken aus der Sicht der Nachhaltigen Entwicklung

Die Idee zu dieser Webseite entstand aus der Erkenntnis, dass das Thema Nachhaltige Entwicklung trotz zwei Jahrzehnten wissenschaftlicher und medialer Diskussion kaum Niederschlag in den schulischen Lehrplänen gefunden hat; und in Folge dessen auch nicht befriedigend von den einschlägigen Lehrbüchern behandelt wird. Doch die praktizierende VWL-Lehrende hält sich – aus besseren oder schlechteren Gründen – gerne an die stofflichen Darstellungen des (eingeführten) Lehrbuchs. Wer der Nachhaltigen Entwicklung einen größeren Raum in seinem Unterricht geben will, ist meist auf eigene Erarbeitung von Unterrichtseinheiten angewiesen; da sind umfassende und fundierte Werke zur Nachhaltigkeit aus wissenschaftlicher Feder (z.B. die didaktischen Module "Mut zur Nachhaltigkeit” von Liedtke/Welfens) eine große Hilfe, doch

 

a) erreicht ihre geringe Auflage kaum die Schulen in ihrer Breite

b) müssen für die meisten Schülergruppen unterhalb Abiturniveaus die Texte oft noch weiter vereinfacht und didaktisiert werden und

c) macht der große Umfang des Materials eine Einbindung in die zeitlich knapp bemessenen VWL-Stunden Probleme – zumal die herkömmlichen Themen ja beachtet werden sollten.

 

Die Wissenschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht und Stoffpläne, Materialien entwickelt, an die sich der Volkswirtschaftslehrer halten könnte. Immer mehr freie Bildungsträger publizieren Unterrichtsmaterial, auf das findige Lehrkräfte (oft sogar kostenlos) im Internet zugreifen können. Doch um dem Thema eine größere Breitenwirkung zu verschaffen, müssten gängige Lehrbücher mit einem Schwerpunkt "Nachhaltigen Entwicklung" am Markt sein.

 

Dies ist nicht der Fall. Zwar hat es in den allermeisten Lehrbüchern in den letzten Jahren punktuelle Verbesserungen gegeben und man merkt den Autoren bisweilen an, dass sie sich der Reformbedürftigkeit des traditionellen VWL-Unterrichts bewusst sind. Mitunter werden die stark neoklassisch ausgerichteten Theoriemodelle zu Gunsten empirischer oder institutionenkundlicher Ansätze aufgeweicht. Doch gibt es kaum  Lehrbücher, die das Thema Nachhaltigkeit mehr oder weniger konsistent in ihre Darstellungen einbauen.

Kriterien für den Nachhaltigkeitscheck von VWL-Lehrbüchern
Kriterien VWL-Lehrwerk-Bewertung.pdf
PDF-Dokument [43.2 KB]

In der Folge werden nach diesen Kriterien einige der einschlägigen Lehrbücher im Einzelnen kommentiert. Die Erläuterungen erheben keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Es geht auch nicht um ein Gesamturteil oder eine Verwendbarkeit des Buches für unterschiedliche Handlungsformen des Unterrichts. Der Autor berichtet lediglich seine Erfahrungen mit den betreffenden Lehrbüchern, wenn es darum geht, Nachhaltige Entwicklung durchgängig im Unterricht mitzudenken. Denn oft stehen die traditionellen Inhalte in Konflikt mit dem neuen Paradigma.

 

Folgende Lehrwerke werden unten stehend rezensiert:

  • Boller/Hartmann: Volkswirtschaftslehre kompetenzorientiert zur Fachhochschulreife. Merkur Verlag, 1. Auflage (2013).
  • Kaiser/Brettschneider. Volkswirtschaftslehre. Cornelsen Verlag, 1. Auflage (2013). - Kompetenzorientiert!-
  • Blank/Eilts et al.: Volkswirtschaftslehre für die höhere Berufsfachschule (Ausgabe NRW). Bildungsverlag Eins, 1. Auflage (2013). - Kompetenzorientiert!-
  • Peters: Volkswirtschaftslehre – Lernt gemeinsam handeln! Winklers Verlag, 10. Auflage (2012).
  • Lüpertz: Volkswirtschaft - Strukturen und Probleme. Winklers Verlag, 5. Auflage (2013).
  • Seidel: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Bildungsverlag Eins, 30. Auflage (2012).
  • Albers/Albers-Wodsak: Volkswirtschaftslehre. Verlag Europa Lehrmittel, 10. Auflage (2013).
  • Brunetti/Großer: Volkswirtschaftslehre – Eine Einführung für Deutschland. hep Verlag, 1. Auflage (2014).
  • Kiss et al.: Volkswirtschaft. Trauner Verlag, 9. Auflage (2013).

  • Weitz et. al.: Betrifft Volkswirtschaft. Bildungsverlag Eins. 5. Auflage (2006).
  • Boller/Schuster: Praxisorientierte Volkswirtschaftslehre. Merkur Verlag. 9. Auflage (2009).
  • Hartmann: Volks- und Weltwirtschaft. Merkur Verlag, 28. Auflage (2009).
  • Blank/Meyer: Volkswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium. Bildungsverlag Eins, 3. Auflage (2011).

Und im Anschluss finden Sie die überholten - aber bisweilen empfehlenswerten - Auflagen älteren Datums:

  • Kaiser/Brettschneider: Volkswirtschaftslehre. Cornelsen Verlag. 3. Auflage (2010).
  • Kaiser/Brettschneider: Volkswirtschaftslehre. Cornelsen Verlag, 2. Auflage (2002).
  • Peters: Volkswirtschaftslehre – Lernt gemeinsam handeln! Winklers Verlag, 9. Auflage (2010).
  • Seidel/Temmen: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Bildungsverlag EINS. 22. Auflage (2004).
  • Blank/Meyer et al.: Volkswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium. Bildungsverlag Eins, 1. Auflage (2007).

(Einige dieser und weitere Lehrwerke werden außerdem ausführlich in unserer Schulbuchstudie analysiert.)

Boller/Hartmann: Volkswirtschaftslehre kompetenzorientiert zur Fachhochschulreife - Höhere Berufsfachschule NRW. Merkur Verlag, 1. Auflage (2013).

 

Ein Lehrwerk aus dem Merkur Verlag, das mit der Sichtweise der Nachhaltigen Entwicklung zumindest in Grundzügen vereinbar ist?

Tatsächlich. Der langjährige Kritiker von Merkur-Publikationen mag ausrufen: "Es geschehen Zeichen und Wunder!" Denn dieses neuverfasste, für kompetenzorientierte Bildungspläne geeignete Lehrbuch bricht so sehr mit dem Neoliberalismus älterer Werke dieses Verlags, dass man seinen Augen nicht traut. Sowohl in den neuen (und gelungenen) Anforderungssituationen als auch in den Sachdarstellungen und im Aufgabenteil (jetzt: "Kompetenztraining") werden recht ausgewogen ökologische, soziale und ökonomische Sichtweisen auf die Gesellschaft angeregt. Für Merkur eine echter "Quantensprung". Also ein zeitgemäßes Lehrbuch?

Zeitgemäß vielleicht. Aber nicht zukunftsorientiert, wenn man die fehlende Würdigung des Nachhaltigkeitsparadigmas betrachtet. Die Zahl der Nennungen von "Nachhaltigkeit" bleibt im einstelligen Bereich. Themen, die der Nachhaltigkeit zugeordnet werden können, kommen indes durchaus vor, doch oft verharrt Kritik im Ansatz, werden Alternativen nicht genannt oder zu Ende gedacht, werden Widersprüche traditioneller ökonomischer Modelle nicht aufgedeckt. Wirtschaftspolitisch kontrovers diskutierte Instrumente wie Emissionszertifikate oder die Finanztransaktionssteuer werden ignoriert, bei Nachhaltigkeitsfachbegriffen wie Ressourceneffizienz, Suffizienz, Entkopplung des Wachstums vom Ressourcenverbrauch herrscht ebenfalls Fehlanzeige.

Der Diskurs der Nachhaltigkeitswissenschaft wird letztlich nicht zur Kenntnis genommen, aber genau dies ist ja auch das Problem der gesamten Nachhaltigkeitsdebatte, dass sie zwar in wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Nischen immer mehr gedeiht, aber noch immer nicht wirklich auf die maßgeblichen Debatten den Einfluss nimmt, der angesichts der globalen Probleme nötig wäre. Das Entsprechende gilt für die schulische Bildung.

Trotzdem ein gut verwendbares, ansprechend layoutetes Werk (auch dies ist man von Merkur nicht gewohnt). Wer Peters kennt, wird einiges wiedererkennen, anderes vermissen. Doch im Vergleich zu traditionellen Lehrbüchern ist ein deutlicher Erkenntnisfortschritt zu verzeichnen.

 

Nachhaltigkeitsnote: 3+

Rezension Boller/Hartmann: Volkswirtschaftslehre kompetenzorientiert.

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Lesen Sie die Rezension des Lehrwerks und entdecken Sie, welch wundersame Wandlung ein Autorenteam durchlaufen kann.

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Kaiser / Brettschneider: VWL - Volkswirtschaftslehre. Fachoberschule und Höhere Berufsfachschule. Cornelsen Verlag. 1. Auflage (2013).    - Kompetenzorientiert –

 

Ein Jammer. Die größte Bildungsreform der vergangenen Jahre geht am Thema Nachhaltigkeit weitgehend vorbei. Im Gegenteil, das Lehrwerk VWL von Kaiser/Brettschneider scheint Befürchtungen zu bestätigen, wonach die unter dem Stichwort „Kompetenzorientierung“ laufende Reform von Bildungsgängen und Curricula eine stark neoliberale Prägung erhielte. Denn die zentrale Forderung nach „Leitfachorientierung“ aller Haupt- und Nebenfächer bewirkt im Falle des „Leitfachs“ Betriebswirtschaftslehre in der beruflichen Bildung, dass Bildungsinhalte verstärkt aus der Arbeitgebersicht gedacht werden. Entsprechend wurde der neue Bildungsplan (zur Erprobung) komplett neu nach betriebswirtschaftlichen Lernsituationen strukturiert. Und entsprechend passen sich Lehrbuchautoren auch konsequent an die vom Bildungsplan vorgegebenen Handlungsfelder an.

Doch handelt es sich weitestgehend nur um eine „kompetenzorientierte“ Neustrukturierung alt bekannter Lehrbuchtexte. Im Vergleich zu früheren Publikationen des Autorenteams unter Leitung von Franz-Josef Kaiser und Volker Brettschneider muss konstatiert werden, dass der Umfang dabei noch einmal von 326 auf 264 Seiten geschrumpft ist. Und, in der Tat, 15 Seiten zu den Grenzen des Wachstums und zur Umweltpolitik wurden ersatzlos gestrichen. Dabei hatte es sich um das Beste gehandelt, was der volkswirtschaftliche Lehrbuchmarkt dazu in den letzten Jahren zu bieten hatte, die Autoren hatten gerade in diesem Bereich eine sehr zukunftsorientierte Arbeit geleistet, dabei fast pionierartig Grundlagen für eine nachhaltige Ökonomie gelegt, auch wenn das Paradigma der Nachhaltigen Entwicklung insgesamt noch ausbaufähig war. Dieses Herzstück einer „Nachhaltigen VWL“ wurde dem Lehrwerk somit entrissen.

Das soll nicht heißen, dass die Neubearbeitung für einen nachhaltigkeitsorientierten VWL-Unterricht ganz unbrauchbar wäre. Denn auch der neue Bildungsplan kommt natürlich nicht umhin Nachhaltigkeit zu behandeln – und das deckt das Buch ab, es profitiert hier immer noch von den weitaus besseren älteren Ausgaben der Vorgängerwerke (Rezension der Ausgaben von 2010 und 2002 siehe unten).

Der geneigten Nachhaltigkeitslehrerin sei trotzdem unbedingt empfohlen, sich ein solches im Bücherregal zu bewahren. Denn die Vertreter der Kompetenzorientierung betonen ja, dass fachspezifische Lernziele trotz der anvisierten Leitfachorientierung auch weiterhin möglich sein sollen.

Nur, wer den Schulbetrieb kennt, weiß, dass dieser potentielle Freiraum letztlich nicht verhindern wird, dass das Thema Nachhaltigkeit durch die neuen Lehr- bzw. Bildungspläne wieder aus dem Schulunterricht herausgedrängt wird. Die Zahl der Leser dieser Rezension dürfte sich auch in Grenzen halten...

 

Nachhaltigkeitsnote: 4+

Rezension Kaiser / Brettschneider: VWL (2013)

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Lesen Sie die ausführliche Rezension des Lehrwerks, das sein Nachhaltigkeitsherz verloren hat.

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Blank/Eilts et al.: Volkswirtschaftslehre für die höhere Berufsfachschule (Ausgabe NRW). Bildungsverlag Eins, 1. Auflage (2013).

 

Mit der Einführung der neuen sogenannten kompetenzorientierten Bildungspläne soll das Prinzip der Lernfelddidaktik, das bereits in vielen Bildungsgängen der beruflichen Ausbildung umgesetzt wird, nun auch in den vollzeitlichen Berufsfachschulen zur vorherrschenden Unterrichtsweise werden. Inhalte und Lernziele werden danach unter anderem nach prozess- und handlungsorientierten Gesichtspunkten strukturiert. Im kaufmännischen Bereich gilt die Betriebswirtschaftslehre als „Leitfach“. Danach sollen alle anderen Fächer der Stundentafel sich zeitlich und inhaltlich an der BWL ausrichten.

Im zweijährigen Bildungsgang der Höheren Berufsfachschule (Höheren Handelsschule) bedeutet dies, dass auch die VWL wie jedes andere Fach ihre Daseinsberechtigung letztlich aus der Zuarbeit für die BWL bezieht. Fachliche Inhalte sollten vorwiegend so arrangiert werden, dass sie für die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Lernfelder als (hier: volkswirtschaftlicher) Hintergrund dienen.

Mit den neuen Bildungsplänen werden einige Hoffnungen auf besseren, kooperativeren Unterricht verbunden. Aber auch eine Vielzahl praktischer und grundsätzlicher Bedenken warten weiter darauf ausgeräumt zu werden. Aus der Sicht der Nachhaltigen Entwicklung ist prinzipiell zu kritisieren, dass die Dominanz der betriebswirtschaftlichen (und somit auch arbeitergebernahen) Sicht noch weiter verstärkt wird. Nachhaltigkeit, die ja gerade die Multiperspektivität (Ökonomie-Ökologie-Soziales) fordert, droht weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Dennoch muss dies nicht so sein. Denn Nachhaltigkeit wird in bildungstheoretischen Konzepten und in globalen Bildungszielen der Curricula gerne als fächerübergreifendes und integratives Prinzip beschrieben. Also müsste sich Nachhaltigkeit in allen betriebswirtschaftlichen Lernfeldern bzw. Lernsituationen widerspiegeln.

Im Falle der Höheren Berufsfachschule sind dies gemäß neuen NRW-Bildungsplan die Handlungsfelder

  • Unternehmensstrategie und Management
  • Beschaffung
  • Leistungserstellung
  • Absatz
  • Personal
  • Investition und Finanzierung.

Wie geht das Autorenteam um Andreas Blank und Helge Meyer mit dieser Herausforderung um? Das Handlungsfeld 3 (Leistungserstellung) wird in erstklassiger Weise der Farbe „Grün“ der Umschlagseite des Lehrbuchs gerecht. Für die übrigen Handlungsfelder kann indes nur die Umschlagfarbe "Grau" empfohlen werden.

 

Nachhaltigkeitsnote: 3+

 

Rezension Blank-Eilts: Volkswirtschaftslehre (2013)

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Lesen Sie die Rezension und finden Sie heraus, wie ein Lehrbuch "grün" werden kann.

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Peters: Volkswirtschaftslehre – Lernt gemeinsam handeln! Winklers Verlag, 10. Auflage (2012).

 

Weiterhin das Nonplusultra, zumindest unter den derzeit verfügbaren Lehrwerken! Es gibt tatsächlich ein Lehrbuch, das den Versuch unternimmt, Nachhaltige Entwicklung - oder wenigstens die Themen, die diesem Diskurs zugeordnet werden können - in seine Unterrichtseinheiten einzubauen.

Vor allem das neue, aufgelockerte Layout unterscheidet das langjährige Flaggschiff der Nachhaltigkeitsökonomie von früheren Auflagen. Dabei erforderte das visuelle „Lifting“, dass das frühere Merkmal aller Peters-Auflagen, die höchstmögliche Dichte an Sachdefinitionen, Aufgabenstellungen, Fotos, Zeichnungen, Grafiken und Basistexten nun der Geschichte angehört. Geschadet hat es nicht: Noch immer hebt sich das Lehrwerk auf Grund seines Anspruchs, handlungsorientiert Ökologie, Soziales und Ökonomie zu verbinden, von allen anderen Lehrwerken ab (warum Sie ihre alte Auflage von Peters aber nicht weggeben sollten, erfahren Sie in der ausführlichen Rezension bzw. in der unten stehenden Rezension der Vorgängerauflage).

Der Begriff der Nachhaltigkeit und die ihm verbundene Fachterminologie haben zwar nicht den Stellenwert, den sie idealerweise haben sollten, doch bietet das Lehrwerk eine multiperspektivische Sicht auf Ökonomie, die ihresgleichen sucht. Diese Multiperspektivität entspricht per definitionem nicht den neuen kompetenzorientierten Bildungsplänen, die sich ja explizit der engen Perspektive des Leitfachs Betriebswirtschaftslehre verschrieben haben. Dessen muss sich der Lehrende bewusst sein, aber wenn Sie oder Ihre Bildungsgangkonferenz das fachliche Ziel einer multiperspektivischen, im besten Sinne „nachhaltigen“ VWL verfolgen, dann führt weiterhin kein Weg an diesem Lehrbuch vorbei.

 

Nachhaltigkeitsnote: 2+

Rezension Peters: Lernt gemeinsam handeln! (2012)

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Lesen Sie die Rezension des nachhaltigsten Lehrwerks Deutschlands

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Lüpertz: Volkswirtschaft – Strukturen und Probleme. Winklers Verlag, 5. Auflage (2013).

 

Franz-Josef Strauß und Karl Schiller hätten ihre Freude an diesem Lehrbuch. Nicht nur, weil ihr Konterfei auch Jugendlichen des 21. Jahrhundert in einem VWL-Lehrbuch begegnet, sondern weil das wirtschaftspolitische Herzstück der großen Koalition 1966-69, das „Stabilitätsgesetz“, auch weiterhin eine zentrale Position in der volkswirtschaftlichen Schulbuchdidaktik innehat. Dass sich handelnde Wirtschaftspolitiker seit 40 Jahren nur noch das aus dem Stabilitätsgesetz herauspicken, was ihnen parteipolitisch gefällt, und dass es aus anderen Gründen ohnehin nicht mehr in diese Zeit passt, geht an Lehrplänen und Lehrbüchern weiterhin vorbei. Auch sonst dominieren fachwissenschaftliche Darstellungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Im Winklers Verlag stellt das Lehrbuch von Lüpertz vermutlich eine Art Gegenmodell zur Lehrbuch von Peters dar, welches das zurzeit beste Lehrbuch aus Sicht der Nachhaltigkeitsökonomie sein dürfte. Offenbar bestand Bedarf nach einer streng traditionellen Sachdarstellung mit einem umfassenden (nicht-kompetenzorientierten!) Aufgabenteil. In seiner optischen, und mathematisch-nüchternen Klarheit bietet das Buch für die traditionelle Ökonomie eine hervorragende wissenschaftspropädeutische Einführung (wenigstens solange die akademische Volkswirtschaftslehre sich nicht stärker auf den Nachhaltigkeitsdiskurs einlässt).

Für den Unterricht im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung ist das Buch jedoch kaum geeignet. Es werden keine Nachhaltigkeitsfachbegriffe und physikalisch-ressourcenbasierte Modelle vorgestellt, die für eine zukunftsfähige Wirtschaft notwendig wären. Aber dann – siehe da! - findet sich sogar eine Stelle, in der das Buch die Ausgangsthese einer nachhaltigen Entwicklung klipp und klar auf den Punkt bringt: „Ohne verstärktes nachhaltiges Wirtschaften (sustainable development) und ohne umweltpolitische Maßnahmen stößt [...] ein weiteres Wirtschaftswachstum in Form einer ständigen Erhöhung des Inlandsproduktes in absehbarer Zeit an Grenzen (Grenzen des Wachstums).“

Nur leider findet diese These sonst praktisch keinen Widerhall. Denn weder werden die Anforderungen des „nachhaltigen Wirtschaftens“ ausreichend analysiert, noch werden „umweltpolitische Maßnahmen“ vorstellt, die den Weg zur (ökologischen) Nachhaltigkeit weisen könnten.

 

Nachhaltigkeitsnote: 4

Rezension Lüpertz: Volkswirtschaft – Strukturen und Probleme (2013)

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Lesen Sie die Rezession und finden Sie einige unverhoffte Rosinen für einen VWL-Unterricht aus der Nachhaltigkeitsperspektive.

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Seidel, Horst: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Bildungsverlag Eins, 30. Auflage (2012).

 

Noch immer gilt das „Grundlagen der Volkswirtschaftslehre“ als Klassiker der Schulbuchliteratur. Seit seiner Erstauflage wurde es konzeptionell nicht verändert und lediglich regelmäßig an die wirtschaftspolitische Gesetzgebung angepasst. Seine stark marktliberale Ausrichtung ist nicht zu übersehen, das Loblied auf die angebotsorientiert-monetaristischen Reformen unter Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den 80er Jahren gibt ein eindeutiges Urteil. Die politische Funktion der Wirtschaftswissenschaften während des Kalten Krieges, die Überlegenheit des Marktsystems gegenüber der Zentralverwaltungswirtschaft (speziell durch neoklassische Modelle) auch theoretisch zu untermauern, wirkt heutzutage überholt. Man merkt, dass seither nur noch punktuelle Ergänzungen und statistische Aktualisierungen der Erstauflage stattfanden, denn die Globalisierung seit den 90er Jahren wird äußerst oberflächlich abgehandelt, das gesamte Konzept der Nachhaltigen Entwicklung wird vom Lehrbuch weder verstanden noch erschöpfend oder konsistent aufgegriffen. Eine Problematisierung von ökonomischen Fragestellungen aus wirtschaftspolitischen Debatten findet kaum statt, Modellvoraussetzungen der dargebotenen Darstellungen werden so gut wie nie offengelegt, globale Perspektiven nicht eröffnet, Alternativen nicht geboten, so dass Lernende keinen Anlass haben, Wirtschaft aktiv zu denken und zu gestalten. Ein Lehrbuch, mit dem Nachhaltige Entwicklung kaum in den volkswirtschaftlichen Unterricht Eingang finden kann.

 

Nachhaltigkeitsnote: 4-

Dieses Buch ist Gegenstand der Schulbuchstudie „Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“. Dort findet sich eine ausführliche Analyse ab Seite 47.

 

Albers, Hans-Jürgen / Albers-Wodsak, Gabriele: Volkswirtschaftslehre. Verlag Europa Lehrmittel, 10. Auflage (2013).

 

Wenn das zwölfte und vorletzte Lehrbuchkapitel „Ökonomie und Ökologie“ auf Seite 449 von 532 Seiten beginnt, sind die wesentlichen Modellvorstellungen und wirtschaftspolitischen Konzepte bereits abgehandelt und von den Lernenden (hoffentlich) verinnerlicht. Was geschieht mit dem bis dahin erreichten Lernerfolg, wenn weite Teile davon durch schlüssige umweltpolitische Darstellungen wieder in Frage gestellt werden müssten? Wie wären die restlichen Sachzusammenhänge erläutert worden, wenn die Ausführungen zur Umweltpolitik von grundlegenderer Bedeutung wären und Nachhaltigkeit ein echtes Leitbild der ökonomischen Lehre wäre? Das Lehrbuch bietet überdurchschnittlich viele Ansätze für eine ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit, ohne jedoch den Begriff zu verwenden. Vor allem innergesellschaftliche Gerechtigkeitsfragen, Globalisierungsthemen, aber auch umweltpolitische Grundlagen erhalten einen weiten Raum, auch Wachstumskritik findet sich in Ansätzen immer wieder in diesem Lehrbuch.  Das Problem liegt in einer unvollkommenen Integration der Themen. Wachstumsoptimistische Modelle stehen Seite an Seite mit der Wachstumskritik, umwelt- und sozialpolitische Probleme werden zwar dargestellt, aber Lösungen werden bestenfalls angedeutet, kaum einmal erschöpfend zu Ende gedacht. Dazu fehlt Nachhaltigkeitsterminologie und eine entsprechende Überarbeitung ökonomischer Grundgebegriffe. Die Autoren vertrauen offenbar immer wieder der Marktlösung und misstrauen staatlichen Eingriffen im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung. Als vielsagend könnte man die Tatsache betrachten, dass im gesamten Lehrbuch nur drei Fotos erscheinen, nämlich Portraitfotos der „Gründerväter“ der Sozialen Marktwirtschaft, Alfred Müller-Armack, Ludwig Erhard und Walter Eucken. Die Informationsdichte ist enorm, für Lernende unterhalb Abiturniveaus erscheint der Einsatz sowohl sprachlich wie auf Grund seiner hohen Abstraktion kaum geeignet. Für Lehrende könnten gerade die Kapitel zur Umweltpolitik und zur Globalisierung eine gute Hintergrundliteratur darstellen.

 

Nachhaltigkeitsnote: 3+

 

Dieses Buch ist Gegenstand der Schulbuchstudie „Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“. Dort findet sich eine ausführliche Analyse ab Seite 68.

Brunetti, Aymo / Großer, Thilo: Volkswirtschaftslehre – Eine Einführung für Deutschland. hep Verlag, 1. Auflage (2014).

 

Dem Lehrbuch liegt ein einfaches ökonomisches Weltbild zu Grunde: Wachstum und Freihandel werden die Welt beglücken. Zu diesem Zweck sind die passenden ökonomischen Inhalte ausgesucht worden. Gesellschaftliche Kritik an der Dominanz der ökonomischen Sicht wird entweder ausgeblendet oder wortreich zu entkräften gesucht. Dabei liefert das Buch die ganze Palette an Widersprüchen, die auch der akademischen Wirtschaftslehre vorgeworfen wird. Das schöne Layout und der Versuch, die Lernenden durch kompetenzorientierte Aufgaben für das ökonomische Denken zu begeistern, täuschen darüber hinweg, dass ökonomische Theorie sich einem ehrlichen Praxistest stellen muss. Im Grunde beschreibt das Lehrbuch den Weg zu Wohlstand als einen, den nur Marktökonom/innen weisen können. Interessen aller anderen gesellschaftlichen Stakeholder gelten als wohlfahrtsökonomisch irrational und werden somit auch kaum reflektiert. Dazu kann es nicht angehen, dass der in der Gesellschaft etablierte Nachhaltigkeitsdiskurs praktisch nicht vorkommt, teilweise werden ökologische und soziale Ziele auch mit einer guten Prise Arroganz weggewischt. Einzelne wenige Teile und Aufgaben sind für Pädagog/innen als Ideenpool verwendbar, als Lehrbuch für Schulklassen ist es nicht geeignet.

 

Nachhaltigkeitsnote: 5+

 

Dieses Buch ist Gegenstand der Schulbuchstudie „Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“. Dort findet sich eine ausführliche Analyse ab Seite 80.

Kiss, Katharina et al.: Volkswirtschaft. Trauner Verlag, 9. Auflage (2013).

 

Wenn Nachhaltigkeit nicht nur in der restlichen Welt, sondern auch in Österreich als Leitbild für das 21. Jahrhundert gilt (vgl. S. 290), weshalb spielt es dann in diesem Lehrbuch keine weitere Rolle? Es ist mehr als bedauerlich, dass die Nachhaltige Entwicklung nicht als neues Paradigma akzeptiert wird, denn die Verfasser/innen scheinen ein Bewusstsein dafür zu haben, dass Ökonomie als Teil der Gesellschaft vielfältige Wechselwirkungen hat und daher auch gesellschaftliche und globale Aspekte mit in die Diskussion einfließen müssen: das Lehrbuch öffnet sich an vielen Stellen einer Sichtweise über die Argumentation enger ökonomischer Theoriemodelle hinaus, sei es was den Konsum betrifft, die Frage globaler Arbeitsbedingungen, der Entwicklungsproblematik in den ärmeren Ländern der Erde oder die Frage der Wachstumsgrenzen in der einheimischen Tourismusbranche. Diese durchaus vielversprechenden Ansätze werden aber nicht zu Ende gedacht, die politische Dimension wird kaum verdeutlicht. Vor allem mangelt es an der Konzeption einer nachhaltigen Ökonomie, es fehlt der Mut, politisch umstrittene Themen anzupacken, die vielleicht (noch) nicht gesellschaftlicher Mainstream sind, die aber in vielen Bereichen gesellschaftspolitischen Engagements schon seit Jahren diskutiert werden. Letzten Endes scheitert dieses mögliche Ziel an einer doch eher mageren Aufarbeitung der ökonomischen Modellwelt, die viel zu oft doch rein deskriptiv dargeboten wird, ohne zur Hinterfragung einzuladen. Es bleibt zumeist der Eindruck, dass „wohlfahrtsoptimale“ Marktlösungen in ihrer Substanz unantastbar sind, daher wird das Weiterdenken hier kaum ermöglicht. Globale Umweltthemen kommen viel zu kurz, so dass sich ein Handlungsbedarf aus dem Lehrbuchtext auch nicht erschließt, daher wird das Thema Umweltpolitik sehr oberflächlich, praktisch überhaupt nicht integrativ und eher uninspiriert behandelt.

 

Nachhaltigkeitsnote: 4

 

Dieses Buch ist Gegenstand der Schulbuchstudie „Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“. Dort findet sich eine ausführliche Analyse ab Seite 90.

Weitz et. al.: Betrifft Volkswirtschaft. Bildungsverlag Eins. 5. Auflage (2006).

 

Vielleicht das schönste Lehrbuch überzeugt sowohl von der Reduzierung auf das Wesentliche, die für das Fachabitur geeignetste Didaktisierung, dem Schülerniveau angepasste Sprache und eine grafisch gelungene Gestaltung. Die Themenauswahl und Struktur ist sehr klar und fachsystematisch gegliederten Lehrplänen von Fachoberschulen und Höheren Handelsschulen verbunden. Wie kaum ein zweites regt es tatsächlich zum Einsatz im Unterricht an, da neben passenden Bildern und Grafiken auch jede Menge Fallstudien, Kreuzworträtsel, literarische Texte, Karikaturen die ansonsten oft sehr trocken daherkommenden volkswirtschaftlichen Inhalte aufpeppen sowie innovative Unterrichtsmethoden wie Mindmapping, Metaplantechnik, Schülerbefragungen, Rollenspiele enthalten sind. Es schließt ab mit einem volkswirtschaftlichen Glossar – sehr erfreulich, denn letztlich kann auch die VWL als Fremdsprache mit eigenen Vokabeln aufgefasst werden.

 

      ABER...

 

Nachhaltigkeitsnote: 4

Rezension Weitz: Betrifft VWL (2006)

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Lesen Sie, warum Schönheit nicht immer nachhaltig ist.

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Boller/Schuster: Praxisorientierte Volkswirtschaftslehre für das Fachgymnasium. Merkur Verlag. 9. Auflage (2009).

 

Das Kapitalistische Manifest! Jetzt auch für den Schulbuchmarkt.

Beim Lesen dieses Lehrbuchs bleibt dem ökonomiekritischen und speziell an Nachhaltiger Entwicklung interessierten Wirtschaftspädagogen mehr als einmal die Spucke weg. Erfahrungsgemäß sind Lehrwerke, die sich der traditionellen Neoklassik verschrieben haben, nicht als Pioniere einer zukunftsfähigen Ökonomie bekannt. Aber die Parteilichkeit, mit der die Verfasser arbeitgebernahe Positionen besetzen, haut einen schon einmal vom Hocker. Kostprobe? Im Kapitel zum Sozialsystem werden politische Faktoren der Gestaltung des Sozialsystems so kommentiert: “Ein wesentlicher Grund hierfür ist darin zu sehen, dass sich die Regierung als 'Anbieter von Sozialleistungen' einem ständigen Leistungsdruck ausgesetzt fühlt, sich durch die 'Konkurrenzangebote' der Opposition nicht überbieten zu lassen. Von diesem 'Bazillus der Gefälligkeitsdemokratie', der zu wohlfahrtsstaatlichem Denken führt, haben sich Vertreter der sozialen Marktwirtschaft über Parteigrenzen hinweg anstecken lassen.” Politikverdrossenheit als Lernziel?

Und Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clements berüchtigte neoliberale Abrechnung mit dem Sozialstaat kommt im Lehrbuchkampf gegen das deutsche Gewerkschaftswesen ebenfalls zum Einsatz: “Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, 'Abzocke' und Selbstbedienung im Sozialstaat”.

Kein Lehrbuch ohne Stärken. Die Vielzahl fast immer neoliberal geprägter Quellentexte eignet sich für Ihr Bücherregal, wenn Sie zur kontroversen Aufbereitung eines Unterrichtsthemas eine Gegendarstellung zu Nachhaltigkeits- und Arbeitnehmerpositionen suchen.

(Das Autorenpaar hat ein weiteres Lehrwerk “VWL für Höhere Berufsfachschulen”, ebenfalls erschienen im Merkurverlag, geschrieben. Vieles deckt sich mit der hier verfassten Rezension, daher wird auf eine intensivere Besprechung an dieser Stelle verzichtet.)

 

Nachhaltigkeitsnote: 5

Rezension Boller/Schuster: Praxisorientierte Volkswirtschaftslehre

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Lesen Sie die Rezension und finden Sie heraus, ob man einem dezidiert nicht-nachhaltigen Lehrwerk nicht trotzdem etwas abgewinnen kann..

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Hartmann: Volks- und Weltwirtschaft. Merkur Verlag, 28. Auflage (2009).

 

Ein VWL-Buch alter Schule... mit inhaltlicher Offenheit für neue Diskussionen ist das 584 Seiten starke Lehrbuch “Volks- und Weltwirtschaft” von Gernot Hartmann, das schon seit 1980 erscheint. Dass es nun schon 30 Jahre auf dem Markt ist, lässt eine eher konservative Struktur vermuten – und so ist es. Auf beinahe wissenschaftlichem Niveau werden ökonomische Grundbegriffe, Markt- und Produktionstheorien, Wirtschafts- und Geldpolitik sowie Grundlagen volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen gelegt. Angenehm der glasklare Blick auf die ökonomische Modellwelt, deren Grenzen Hartmann immer wieder offenlegt. Kein anderes Lehrwerk führt so gut auf die universitäre Volkswirtschaftslehre hin.

Aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung darf man nicht viel erwarten. Dann und wann öffnet sich der Autor in Richtung einer öko-sozialen Marktwirtschaft, doch scheint der Glaube an die Überlegenheit des Marktes zu groß, als dass einer staatlichen Einflussnahme zu Gunsten sozialer oder ökologischer Ziele viel Raum eingeräumt würde.

 

Nachhaltigkeitsnote: 4+

Rezension Hartmann: Volks- und Weltwirtschaft (2009)

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Lesen Sie die Rezension eines Lehrbuchs, das nicht-nachhaltige Erinnerungen an die Modellwelt Ihres wissenschaftlichen Studiums wiederbelebt.

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Blank/Meyer: Volkswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium. Bildungsverlag Eins, 3. Auflage (2011).

 

Aufgabe:

a) Lesen Sie bitte aufmerksam die folgenden drei Abschnitte. Was fällt Ihnen dabei auf?

b) Lesen Sie anschließend darunter stehende Rezension zur 3. Auflage des Lehrwerks von Blank/Meyer.

 

Das Buch hebt sich von anderen Lehrbüchern ab, indem es jedem Kapitel eine Eingangssituation voranstellt. In dieser Eingangssituation diskutieren Vertreter des Modellbetriebes “Bürodesign GmbH” bzw. der Modellfamilien Stein und Land über die im betreffenden Kapitel zu behandelnden Themen. Dadurch soll ein verstärkter Realitätsbezug erreicht werden. Ob der Aufwand von 14 Seiten Vorstellung der Modelle dazu nötig ist, sei dahingestellt.

 

Sechs Autoren waren insgesamt mit der Konzeption des Lehrwerks beschäftigt. Ob daran liegt, dass es den Versuch unternimmt, zwischen traditionellen und modernen Lehrwerken eine Mittelposition einzunehmen? Man findet ebenso mathematische und grafische Modelle der Neoklassik wie umfangreiches statistisches Material zu Realwirtschaft, man findet systematisierende Übersichtsdarstellungen und Problematisierungen zu kontroversen Themen. Dabei bleibt die Konsistenz und Durchgängigkeit der Argumentation oft auf der Strecke. Während im Kapitel zur Markttheorie neoklassisch mit der Überlegenheit der Märkte argumentiert wird, finden sich in den weiteren Kapiteln durchaus kritische Töne zur Wachstumsorientierung der Gesellschaft oder der Globalisierung der Märkte. Dieser Widerspruch zwischen ökonomischer Theorie und dem “real existierenden Kapitalismus” wird nicht thematisiert. In der Tat, das Lehrbuch ist ein “Kind seiner Zeit”.

 

Ein jedes Lehrbuch ist ein Kind seiner Zeit, d.h. seiner Erstauflage. Die Schwerpunkte der Stoffauswahl ergeben sich aus den jeweils aktuellen Curricula und durch Aufgreifen gewisser gesellschaftlicher Diskussionen zum Zeitpunkt der Neukonzeption. In den meisten Fällen ändert sich in späteren Auflagen nicht mehr allzu viel, weshalb man etwa in weiter verlegten Lehrbüchern aus 70er und 80er Jahren noch eine starke Dominanz der Systemfrage erkennen kann. Im neu entwickelten Werk von Blank, Meyer et al. hingegen findet sich kein Wort mehr zur sozialistischen Zentralverwaltungs-wirtschaft. Stattdessen schlägt sich hier in weitaus stärkeren Maß als bei allen sonstigen Lehrwerken der Globalisierungsdiskurs nieder. Auch die in den frühen 2000er Jahren neu aufgeblühte Diskussion um (keynesianisch) nachfrageorientierte oder (monetaristisch) angebotsorientierte Wirtschaftspolitik wird in überdurchschnittlicher Breite dargelegt. Und auch der Nachhaltigen Entwicklung wird immerhin eine ganze Seite gewidmet (wobei die innerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses diskutierten Themen auch ohne Nennung desselben an anderen Stellen im Lehrbuch aufgenommen werden).

 

Nachhaltigkeitsnote: 4+

Rezension Blank/Meyer: Volkswirtschaftslehre (2011)

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Lesen Sie nun die Rezension und finden Sie heraus, was an den drei Abschnitten unstimmig war.

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Kaiser / Brettschneider: VWL - Volkswirtschaftslehre. Fachoberschule und Höhere Berufsfachschule. Cornelsen Verlag. 3. Auflage (2010).

 

Manchem Lehrbuch möchte man eine Träne nachweinen. Denn die kompetenzorientierte Neuausgabe dieses Lehrwerks von 2013 (siehe weiter oben) fällt um Längen hinter diese Ausgabe zurück. Verantwortlich dürfte insbesondere der neue NRW-Bildungsplan zur Erprobung "Volkswirtschaftslehre" sein, dem allein die Autoren sich verpflichtet fühlen. Besorgen Sie sich diese Ausgabe von 2010 und ergänzen Sie die damals noch verfügbaren Inhalte nach Möglichkeit in Ihrem Unterricht. Denn auch in Zeiten von Kompetenzorientierung sollte das Thema "Umweltpolitik" nicht unter den Tisch fallen...

 

Nachhaltigkeitsnote: 2-

Rezension Kaiser/Brettschneider: VWL (2010)

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Lesen Sie die Rezension dieser abgelösten Ausgabe MIT Nachhaltigkeitsherz.

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Kaiser / Brettschneider: Volkswirtschaftslehre. Cornelsen Verlag, 2. Auflage (2002).

 

Hier finden Sie die Rezension der Erstausgabe des Lehrwerks. Das Buch wirkt heute optisch etwas veraltet, aber wer nachvollziehen möchte, wie die Autoren einmal Volkswirtschaftslehre unterrichten wollten, bevor der Umfang des Werks von 416 Seiten (2002) auf 264 Seiten (2013) zusammengestrichten wurde, wird einige interessante Entdeckungen machen.

 

Nachhaltigkeitsnote: 3+

Rezension Kaiser/Brettschneider: VWL (2002)

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Dieses Lehrwerk ist überholt und wurde durch Neuauflagen ersetzt (siehe oben). Doch die Rezension zeigt, dass es noch zu schade für das moderne Antiquariat ist.

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Peters: Volkswirtschaftslehre – Lernt gemeinsam handeln! Winklers Verlag, 9. Auflage (2010).

 

Es lohnt sich keine Ausgabe der Lehrwerke von Peters wegzugeben: Denn die ökonomischen Basistexte, die schon mal einer Neuauflage einer Streichung zum Opfer fallen, behalten oft lange ihre Gültigkeit. Tiefgründigere Analysen der wissenschaftstheoretischen Grundlagen unserer Ökonomie finden sich in keinem anderen deutschen Lehrbuch.

 

Nachhaltigkeitsnote: 2+

Rezension Peters: Lernt gemeinsam handeln! (2010)

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Lesen Sie die ausführliche Rezension unter besonderer Beachtung markttheoretischer Fundamentalkritik.

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Seidel/Temmen: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Bildungsverlag EINS. 22. Auflage (2004).

 

Das Lehrbuch von Seidel/Temmen gehört seit Jahren zu den Klassikern seiner Art. Seine Popularität begründet sich in seiner traditionellen Gliederung, nüchternen und klaren Sprache, sowie durchdachten Strukturierung der Kapitel in vier Teile: Lerngerüst – Lerninformationen (Lehrtext) – Lernaufgaben – Lernkontrolle. Im Lerngerüst wird eine graphische Gliederung des danach folgenden Lehrtextes vorangestellt, die die wichtigsten Begriffe des Lehrtextes sachlich strukturiert und z.B. die Planung der Sachstruktur einer Unterrichtsstunde und eines Tafelbildes zum Kinderspiel werden lässt.

Je sachlicher und vermeintlich objektiver ein Lehrwerk wirkt, desto größer jedoch die Gefahr eines “heimlichen Lehrplans”. Die Frage des “heimlichen Lehrplans” ist bei Lehrwerken wie dem vorliegenden besonders bedeutsam, da die scheinbare Sachlichkeit der Modelle, Definitionen und Infotexten eine Unumstößlichkeit des zu Grunde liegenden ökonomischen Weltbildes suggeriert, die in den Gesellschaftswissenschaften höchst problematisch ist. Im Gegensatz zum Lehrwerk von Hartmann werden die oft unrealistischen Annahmen der Modellwelt auch praktisch nie offengelegt.

Die “Grundlagen der Volkswirtschaftslehre” stellen den Prototyp des über Jahrzehnte kaum veränderten und nur punktuell an aktuelle Debatten angeglichenen Lehrbuchs dar. Damit geht es praktisch Hand in Hand mit der Entwicklung der Curricula, die nur in Details verändert wurden.

Durch die didaktische Aufbereitung klassischer Mainstream-Ökonomik gerade für Berufsanfänger ein hervorragendes Einstiegswerk - eine komplette Neuausrichtung des volkswirtschaftlichen Unterrichts im Sinne des Nachhaltigkeitsparadigmas ist mit diesem Lehrwerk aber undenkbar.

 

Nachhaltigkeitsnote: 4-

Rezension Seidel/Temmen: Grundlagen (2004)

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Lesen sie die Rezension eines Lehrwerks, das Ihnen die Strukturierung Ihres VWL-Unterrichts erleichtert, aber für Nachhaltigkeit unbrauchbar ist.

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Blank/Meyer et al.: Volkswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium. Bildungsverlag Eins, 1. Auflage (2007).

 

Ein jedes Lehrbuch ist ein Kind seiner Zeit... Und wenn Sie die Nachfolgeauflage zu sehr verwirrt hat, so gönnen Sie sich diese fachsystematisch noch traditionell strukturierte Darstellung.

 

Nachhaltigkeitsnote: 3-

Rezension Blank: Volkswirtschaftslehre (2007)

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Lesen Sie die Rezension und finden Sie heraus, wie der Zeitgeist ein Lehrwerk prägen kann.

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