Fast täglich sprechen wir über Systeme. Sie tauchen auf im Zusammenhang mit Technologie, z. B. Energiesystemen, Betriebssystemen, Verkehrssystemen. In Soziologie und Politik behandelt man Gesellschaftssysteme und politische Systeme. Auch in der VWL ist das Wirtschaftssystem ein etablierter Begriff. Die Biologie beschäftigt sich schon seit ewigen Zeiten mit Ökosystemen. Dass Ökosysteme zweifellos mit dem Wirtschaftssystem verbunden sind, ist in den letzten Jahrzehnten zumindest in der wirtschaftswissenschaftlichen Denkschule der Ökologischen Ökonomik aufgefallen. Und auch das Geldsystem wird zunehmend Gegenstand ökonomischer, politischer und philosophischer Debatten. Weitere Beispiele für Systeme sind das Organsystem (Lebewesen), das Familiensystem, ein Staat, ein Staatenbund, ein Unternehmen und jede andere Organisation.
Aufbau und Elemente von Systemen
Was überhaupt ist ein System? Ein System ist ein größeres Ganzes. Es besteht aus mehreren Elementen, die miteinander
in Verbindung stehen und aufeinander reagieren. Es ist einerseits eine abgeschlossene Einheit, andererseits hat es eine mehr oder weniger durchlässige Außengrenze.
Außerdem, das ist zum Verständnis von Systemen sehr wichtig, unterliegt jedes System gewissen Ordnungsstrukturen bzw. Regeln, deren Einhaltung für das reibungslose Funktionieren, die Erfüllung der
Aufgaben und damit für den Erfolg eines Systems notwendig ist.
Zum Erfolg lebender Systeme gehört auch die Homöostase, d. h. sie verfügen über Mechanismen der
Selbststabilisierung, die auf Selbsterhaltung aus sind. Finden Störungen statt, versuchen sie, den eigenen Gleichgewichtszustand wieder zu erreichen.
Das Interessante an Systemen ist, dass sie, wie ihre einzelnen Teile, zwar als Ganzheit gesehen werden können, aber
doch nie im leeren Raum isoliert bestehen, sondern auch mit anderen Systemen in Verbindung stehen, ja sogar Teil von größeren Systemen sind.
Zum Beispiel ist ein Unternehmen ein eigenständiges System, gleichzeitig aber auch Teil eines Wirtschaftssystems, eines Währungssystems, eines
Marktsystems und des Ökosystems und unterliegt in gewissem Umfang deren Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten.
Systeme können ineinander verschachtelt sein, aber auch nebeneinander bestehen oder ineinander aufgehen. Und doch ist jedes System eine organisatorische Einheit für sich.
Menschen sind gleichzeitig Teil vieler verschiedener Systeme. Sie gehören zum System ihrer Familie, ihrer Gesellschaft, ihrer Staates. Sie sind Teil des Ökosystems Erde und mit ihrer Arbeitskraft zum System eines Unternehmens, entweder als Eigentümer*innen, als Geschäftsführende oder als Angestellte. Die Unternehmen von Geschäftspartnern können wieder als eigene Systeme aufgefasst werden, mit denen man in Beziehung steht.
Wenn man mit Systemen arbeitet, ist es wichtig, dass alle Teile in die Betrachtung einbezogen werden und kein wichtiger
Teil unberücksichtigt bleibt. Man muss also wissen, wer und was dazugehört.
Die Beispieltabelle zeigt, wie vielfältig Systeme sind, aber auch, dass sich auch eigenen Vorstellungen unterworfen sind. Ob Halbgeschwister zur Familie gehören, mag von den Wohnverhältnissen abhängen, ob Großeltern, Tanten und Onkel dazugehören, kulturell unterschiedlich bewertet werden. Ist das Ziel der Volkswirtschaft Wohlstand? Betrachtet man viele ökonomische Denkschulen, so scheint es bei ihnen hauptsächlich um „Wachstum“ zu gehen. Das Ziel des Ökosystems Erde wird einerseits von Naturwissenschaften definiert, andererseits auch von religiösen Vorstellungen über den „Sinn der Welt“ beeinflusst...
Möglichkeiten und Grenzen des Linearen Denkens
Die Beschäftigung mit Systemen ist seit mehreren Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Zunächst wurde die Erforschung der „Kybernetik“ in Kommunikation- und Nachrichtenwesen erforscht, dann auch in Biologie und Psychologie. In den Gesellschaftswissenschaften wie der Wirtschaftswissenschaft wird inzwischen immer mehr „Systemdenken“ nötig. Systemdenken stellt insbesondere das sogenannte „lineare Denken“ in Frage. Das lineare Denken ist dem Menschen seit Jahrtausenden vertraut und kann auf die Formel „Ursache-Wirkung“ gebracht werden: Für seine Anwendung gibt es tagtäglich Tausende und Abertausende von Beispielen.
Lineare Zusammenhänge sind auch Gegenstand des Wissenschaftsbetriebs. Dieser ermittelt durch seine Forschung Zusammenhänge, die uns anschließend als Grundlage unserer Entscheidungen dienen. Auch und gerade in den Wirtschaftswissenschaften sind lineare Denkmodelle weit verbreitet:
Mainstream-Ökonom*innen oder schulgebildete Zeitgenossen und Kommentatoren in den sozialen Netzwerken werden die obigen Zusammenhänge möglicherweise als naturgesetzliche Leitsätze akzeptieren. Die wachsenden Anhänger*innen der Pluralen Ökonomik haben zu diesen linearen Wahrheiten jedoch vielfach differenziertere Erklärungen. Es deutet sich an, dass lineares Denken mitunter auch zu einseitigen oder sogar falschen Diagnosen führt. Oder ihre Aussagekraft wird unzulässigerweise verallgemeinert. Volkswirte lehren in ihren Grundlagen, dass der Preis als alleinige Ursache für Angebots- und Nachfrageänderungen nur unter der Ceteris-Paribus-Klausel gilt...
Der Erfolg des linearen Denken hat also offenbar Schattenseiten. Es liegt wohl auch in der Natur des Menschen, dass sie für ihre Orientierung bevorzugt einfache, lineare Lösungen suchen und dabei auch fragwürdige Zusammenhänge herstellen:
Die mediale Jagd nach Sündenböcken für gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Krisen ist auch Jahrhunderte nach den Hexenprozessen allgegenwärtig. In Zeiten „sozialer Medien“ erscheint die unterkomplexe Herstellung von solch einfachen Erklärungsmustern immer beliebter. Teilweise werden sie auch von populistischen Politiker*innen vorangetrieben.
Systemisches Denken - was ist das?
Umso wichtiger wird die Fähigkeit systemisch zu denken. In Anlehnung an den Ökologen Lothar Mayer lassen sich sechs Systemeffekte identifizieren, die über das linear Denken hinaus gehen und zum systemischen Denken dazugehören.(4)
Pipeline-Effekt
„Wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen klopft und der Schmerz würde erst zwölf Stunden später eintreten, hätten wir alle keine Daumen mehr.“(5) Gott sei Dank gibt es lineare Ursache-Wirkungs-Mechanismen, die verhindern, dass wir alle unsere Daumen, Beine, Köpfe verlieren.
Umweltschäden unterliegen jedoch oft dem Pipeline-Effekt. Sie werden oft erst lange nach ihrer Verursachung erkennbar. Sie sind sozusagen noch „in the pipeline“.
Beispiele: Schwermetalle, Nitrate, die heute durch Verbrennung, Müll oder industrielle Landwirtschaft in den Boden gelangen, werden erst nach 20, 30 Jahren im Grundwasser ankommen und die Trinkwasserversorgung gefährden. Selbst wenn also heute Gegenmaßnahmen getroffen werden, dauert es noch weitere Jahrzehnte, bis sich das Grundwasser erholt hat.
Ein weiteres Beispiel ist das Ozonloch. Genau genommen wurden Mitte der 1980er Jahre zwei Ozonlöcher in der oberen Stratosphäre über den Polkappen der Erde entdeckt. Sie verhinderten die Absorption von UV-Strahlen durch die schützende Ozonschicht, so dass vor allem auf der Südhalbkugel der Erde erhöhte Gefahr für Hautkrebs bestand. Als Ursache wurden die Fluorkohlenwasserstoffe (FCKWs) ausgemacht, die seit den 50er Jahren durch Kühlschränke und Schaumstoffe in die Luft abgegeben worden waren. Die Regierungen weltweit reagierten schnell. Schon 1987 wurde im Protokoll von Montreal ein weltweites FCKW-Verbot beschlossen. Seither schließen sich die Ozonlöcher über Nord- und Südpol langsam wieder, doch der Prozess wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Ozonschicht wieder ihre ursprüngliche Schutzfunktion erlangen wird.(6)
Sprünge, Kipppunkte und Schwellenwerte
Im 20. Jahrhundert konnten Unternehmen auch in Europa und Nordamerika noch fast ohne Umweltschutz produzieren. Insbesondere die rauchenden Schlote der Schwerindustrie erzeugten Schwermetalle sowie Schwefel- und Stickoxide, die mit dem Regen auf Erde und Gewässer abregneten. Der Regen gelangte mitunter auch in Seen, die weit von den Industriegebieten lagen, aber dennoch geschädigt wurden. So kippten der Große Elchsee (Big Moose Lake) in den USA sowie verschiedene Seen in Schweden um, d. h. in kürzester Zeit ließ die Sauerstoffproduktion nach, versauerten sie und Tausende toter Fische zeugten von einem massiv geschädigten Ökosystem. Gleiches kann auch heutzutage im Falle verschmutzter Badeseen beobachtet werden.(7)
Auch der menschliche Organismus hat Kipppunkte oder Schwellenwerte, die den Körper über gewisse Belastungen tragen können. Erst wenn der Stress zu stark wird, kommt es zu merklichen Abwehrreaktionen. Fieber ist eine Gegenreaktion, die die Immunantwort des Körpers zeigt, wenn er durch Krankheitserreger angegriffen wird. Steigt das Fieber aber weit über 40 Grad, kann der Organismus der Belastung erliegen.
Fieber ist für den menschlichen Organismus ein sogenannter negativer Rückkopplungseffekt. Diese helfen Systemen, die auf Dauerhaftigkeit angelegt sind, Störungen des Gleichgewichts abzufedern. Sedimente am Boden von Seen binden bis zu einem bestimmten Kipppunkt Phosphate und verhindern so ein ungesundes Algenwachstum. Auch im Weltklimasystem sind stabilisierende Rückkopplungseffekte bedeutsam: Pflanzen und Ozeane nehmen das aus fossilen Brennstoffen freigesetzte CO2 auf.
Gerade beim Thema Klimawandel werden Kipppunkte seit Jahren besonders heiß diskutiert. Ozeane als Auffangbecken für Kohlenstoffe lassen bei zunehmender Erwärmung nämlich in ihrer Pufferwirkung nach (weil warmes Wasser weniger CO2 aufnehmen kann), auch das Pflanzenwachstum an Land kann nicht auf Dauer mit dem CO2-Angebot in der Luft mithalten (da weitere chemische Stoffe notwendig sind, die nicht mitwachsen). Stattdessen existieren Schwellenwerte, bei deren Überschreitung das Weltklimasystem komplett zu kippen droht. Die folgende Übersicht zeigt die in der Klimawissenschaft identifizierten Kippelemente des Weltklimas.(8)
Tatsächlich liegen die Hauptgefahren des Klimawandels nicht in der Erhöhung (oder Senkung) lokaler Temperaturen, welchen man ggf. noch zivilisatorisch durch Anpassung begegnen kann. Die systemische Gefahr des Klimawandels besteht im Kippen eines oder mehrerer global bedeutsamer ökologischer Gleichgewichte, die innerhalb kürzester Zeit das Klima zahlloser Regionen verändern könnten und ggf. (auch in Folge von Armut) Anpassung der betroffenen Länder unmöglich machen.
Synergien und Kombinationswirkungen
Einer der bekannteste Fälle war das über viele Jahrzehnte in der Landwirtschaft eingesetzte Insektizid DDT. Es galt lange als nicht wasserlöslich und ungiftig für Säugetiere. Was bei der Bewertung der Toxizität allerdings lange übersehen wurde, war, dass DDT sich gut mit Ölen und Fetten verbindet. Da im Meerwasser durch Schiffe überreichlich Öl gelöst ist, gelangte das DDT doch in die Nahrungskette und reicherte sich im Fettgewebe von Lebewesen an und hat dort hormonelle und eine krebserzeugende Wirkung.(9) Insbesondere bei Vögeln konnte nachgewiesen werden, dass angereichertes DDT die Dicke von Eierschalen reduziert und so den Bruterfolg gefährdet. In den letzten Jahrzehnten wurde DDT daher in den meisten Länder als Schädlingsbekämpfungsmittel verboten.
Das Beispiel steht stellvertretend für ein grundsätzliches Problem der chemischen und pharmazeutischen Forschung. Stoffe, die im Labor vorschriftsmäßig auf ihre Schädlichkeit überprüft und für unbedenklich gehalten wurden, können in Wechselwirkung mit weiteren, in der Natur vorhandenen Substanzen auf einmal eine ungewollte Toxizität entwickeln. Eine vollständige Überprüfung von Hunderttausenden natürlicher und chemisch erzeugter Stoffe im Labor ist schlechterdings vollkommen unmöglich, weshalb trotz der weit entwickelten Prüfverfahren es immer wieder zu unliebsamen Überraschungen kommen kann.
Synergien spielen auch positiv in der Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle. Gerade Vitamine und Spurenelemente sollten in bestimmten Kombinationen aufgenommen werden, um eine ideale Wirkung auf dem Organismus zu entwickeln.(10)
Hebelwirkung/Verstärkereffekt
Mit diesem Begriff wird die Tatsache verdeutlicht, dass Inputs in Systeme eine unter- oder überproportionale Wirkung haben können.
Das bereits angesprochene FCKW aus Kühlschränken gelangte vor seinem Verbot mit einer Menge von 1,4 Millionen Tonnen jährlich in die Atmosphäre. Da die Erdatmosphäre ein Gewicht von 5 x 1015 (5 Billiarden) Tonnen hat, machte das FCKW gerade 0,000000028% aus. Dennoch konnte es durch spezielle eigene und chemische Eigenschaften der Erdatmosphäre verheerende Wirkung entfalten.(11)
Ähnlichen Fehlwahrnehmungen unterliegen heute Skeptiker*innen des menschgemachten Klimawandels. In den Sozialen Medien wird immer wieder darauf verwiesen, dass CO2 lediglich einen Volumenanteil an der Atmosphäre von 0,042–0,043 % habe und CO2 deshalb ja keinen Effekt auf das Weltklima haben könne. Übersehen wird dabei, dass zu Beginn der Industrialisierung der CO2-Anteil bei 0,028% lag. Die Zunahme von 280 ppm (parts per million) auf 420 ppm entspricht also einen Steigerung um satte 50%.(12) Das Argument der Größenverhältnisse ist also vollkommen unerheblich, wie auch der Anteil tödlichen Arsens beweist: 200 mg Arsen bringen jeden Menschen um, obwohl sein Anteil am Körpergewicht von 80 kg nur 0,0000025% betrüge.
Ähnliches gilt für den Wasserdampf aus Flugzeugen, der auf der Reiseflughöhe von 13000 m eine überproportionale Wirkung als Treibhausgas hat, da Wasserdampf Sonneneinstrahlung fast ungehindert durchlässt, die sich bildenden Cirruswolken jedoch die Erdabstrahlung von Wärme reduzieren.
Ein weiteres Beispiel: Eine Biene bestäubt durchschnittlich 1000 Blüten am Tag und ermöglicht damit ein Vielfaches ihres Energieeinsatzes. Ihre Hebelwirkung auf die Befruchtung von Pflanzen ist enorm.(13)
Anreicherung/(Bio)Akkumulation
Viele Chemikalien, die von der Industrie hergestellt werden, lassen sich von der Natur gar nicht oder nur sehr langsam abbauen. Synthetische Kohlenwasserstoffe (PCBs), die in Kunststoffen, Treibstoffen und Chemieprodukten enthalten sind, sind Stoffen aus der Natur sehr ähnlich und werden deshalb nach Aufnahme über Nahrungsmittel nicht ausgeschieden. Sie reichern sich im Gewebe von Lebewesen entlang der Nahrungskette an und können zahlreiche Gesundheitsgefährdungen zur Folge haben.(14) Weiterhin unklar sind die Langfristwirkungen, d. h. der Pipeline-Effekt, der Plastikverschmutzung. Seit 100 Jahren bringen wir Kunststoffe in die Natur ein, die inzwischen weltweit an jeder Stelle der Erde nachweisbar sind. Offensichtlich sind Opfer unter Vögeln und Fischen, in deren Mägen man unverdauliches Plastik findet.
Vernetzung
Auf den amerikanischen Meteorologen Edward Lorenz soll die Metapher des „Schmetterlingseffekts“ zurückgehen, wonach ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in den USA auslösen können soll.(15) Das Bild ist zum Symbol einer weltweiten Vernetzung des Lebens geworden, die das lineare Denken insbesondere für zeitlich und räumlich weit auseinander liegende Ereignisse in Frage stellt. Die Vernetzung ist die zentrale Eigenschaft jedes Systems und dafür verantwortlich, dass sowohl die Ursachenforschung als auch die Lösung von Problemen immer unglaublich komplex ist und das Vorstellungsvermögen der Menschen oft überfordert.
Da es bei Nachhaltigkeit immer um langfristige Fragestellungen geht, hat die Vernetzung der Systeme eine besonders große Bedeutung. Doch allzu oft führt eine kurzfristig geeignete Lösung langfristig wieder zu neuen Problemen:
Diese Beispiele zeigen, dass linear entwickelte, isolierte Lösungen für einzelne Umweltprobleme an anderer Stelle ökologisch, sozial oder auch ökonomisch problematisch sein können. Eine technische Lösung beseitigt zwar ein Problem, kann aber neue Auswirkungen auf andere Bereiche der Umwelt haben. Deshalb werden heute zunehmend Lebenszyklusanalysen durchgeführt, um die Umweltfolgen einer Lösung möglichst umfassend zu bewerten, bevor sie großflächig eingesetzt wird.
Jahrhunderte alte Erfahrung im wissenschaftlichen Gewand
Die beschriebenen Beispiele für Systemeffekte machen den Eindruck, als handele es sich hier um Erkenntnisse neuester Forschung. Tatsächlich sind dem Menschen aber schon seit Urzeiten solche Phänomente bekannt, so dass sich Redensarten in der deutschen Sprache gebildet haben, die der Bedeutung des Systemeffekts recht gut entsprechen:
Pipeline-Effekt: Die Rechnung kommt zum Schluss.
Sprünge, Kipppunkte, Schwellenwerte: Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Synergien und Kombinationswirkungen: Auf die Mischung kommt es an.
Hebelwirkung und Verstärkereffekt: Kleine Ursache, große Wirkung.
Anreicherung/Akkumulation: Das Haus verliert nichts.
Vernetzung: Alles hängt mit allem zusammen.
Solche Sprichwörter und Redensarten bedeuten nicht, dass uns das systemische Denken in die Wiege gelegt ist. Wie oben beschrieben, fällt uns das lineare Denken des einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs deutlich leichter. Doch immer wieder stoßen Menschen auf Phänomene, die sich offenbar nicht mehr auf einfache Weise erklären lassen. Dazu gehören auch die meisten Nachhaltigkeitsthemen, so dass systemisches Denken hilft, nicht vorschnell die einfachste Lösung zu verfolgen, sondern in komplexen Zusammenhängen zu denken. Dies garantiert zwar keine problemfreien Lösungen, kann aber vermeidbare Fehldiagnosen und Nachhaltigkeits-Irrwege vermeiden. Systemisches Denken ist oft auch Grundlegend, dass fundierte Kritik an der Mainstream-Ökonomie sowie darauf aufbauenden gesellschaftlichen Narrativen geübt werden kann.
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(1) Die Gleichung individuelle CO2-Einsparung = Weniger Treibhausgase ist fragwürdig. Dies gilt insbesondere bei Emissionen, die dem europaweiten Emissionshandel unterliegen - hier werden CO2-Emissionen rationiert, so dass bei Einsparung an einer Stelle der CO2-Ausstoß an anderer Stelle ermöglichst wird. Aber auch ohne Emissionshandel sorgt der Rebound-Effekt über Marktpreise dafür, dass die Kohlenstoffeinheit ggf. durch andere Marktteilnehmer ausgestoßen wird.
(2) Vgl. „Können nur das Geld ausgeben, das wir haben - Merz verteidigt Nein zur Stromsteuersenkung für alle – Söder kündigt Plan zur Entlastung an“. In: Der Tagesspiegel vom 03.07.2025. Url: www.tagesspiegel.de/politik/konnen-nur-das-geld-ausgeben-das-wir-haben-merz-verteidigt-nein-zur-stromsteuersenkung-fur-alle--soder-kundigt-plan-zur-entlastung-an-13959449.html
(3) Vgl. Lapuente, Robert: „Der Lieblingsfeind der Linken“. In: Manova vom 01.07.2026. Url: www.manova.news/artikel/der-lieblingsfeind-der-linken
(4) Vgl. Mayer, Lothar: Ein System siegt sich zu Tode - Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Oberursel 1992.
(5) Ebenda S. 189.
(6) Vgl. „Wann schließt sich das Ozonloch?“. Url: https://bildungsserver.hamburg.de/themenschwerpunkte/klimawandel-und-klimafolgen/klimawandel/ozonloch-schliessung-artikel-747208
(7) Vgl. „Was passiert, wenn ein Badesee umkippt - Ist das gefährlich?“. Url: www.swr.de/swrkultur/wissen/was-passiert-wenn-ein-badesee-umkippt-ist-das-gefaehrlich-102.html
(8) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Climate-tipping-points-de.svg
(9) Vgl. Mayer, S. 192.
(10) Vgl. „Mikronährstoffe
(11) Vgl. Mayer, S. 192f.
(12) Vgl. www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/atmosphaerische-treibhausgas-konzentrationen
(13) Vgl. https://stories.state.gov/honeybee-quiz/index.html
(14) Vgl. „Vielzahl an Schadstoffen in Tieren am Ende der Nahrungskette.“ In: Umweltportal Baden-Württemberg. https://umweltportal.baden-wuerttemberg.de/umweltdaten-bericht-2024/schadstoffe-in-der-nahrungskette
(15) Vgl. „Wenn ein Schmetterling mit seinen Flügeln schlägt...“ Vgl. www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/12/21.html